Thema: elementare und konsequente Positionen
erschienen 1991
„Das ehrgeizige Projekt als „Gesamtkunstwerk“ avisiert, versteht sich als Äußerungsplattform für alle Künste.“
Stuttgarter Nachrichten, 8.10.1991

HA-15 / 1990 /
Offsetdruck

No. 122 – Dresden – Ruine der Frauenkirche / 1991/
Terragrafie

4 Gruppen zu Quadraten seitlich versetzt / 1991 /
Siebdruck

Zeichnungen für den Pavillon der BRD zur Expo 92 in Sevilla / 1990 /
Lichtdruck

Die Blätter des letzten Jahres / 1991 /
Lichtdruck
Künstlerliste:
Heinz Gappmayr, 1925 – 2010, Innsbruck
Frühe Arbeit / Blindprägung / Offsetdruck
Mika Yoshizawa, *1959, Tokyo
Zeichnung / Offsetdruck
Ekkeland Götze, *1948, München
Terragrafie
Roman Opalka, 1931 – 2011, Bazérac
Bildausschnitt / Trockenoffset
Albert Hien, *1956, München
Zeichnung / Lichtdruck
Fritz Auer und Carlo Weber, *1933 und *1934, Stuttgart / München
Planzeichnungen / Offsetdruck
Helmut Heißenbüttel, 1921 – 1996, Borsfleth
Text / Handsatz im Buchdruck
Karl Duschek, 1947 – 2011, Stuttgart
Neue Arbeit / Siebdruck
Hans Heinz Holz, 1927 – 2011, S. Abbondio
Text / Offsetdruck
Richard Sapper, *1932, Milano
Konstruktionszeichnung / Offsetdruck
herman de vries, *1931, Knetzgau
Neue Arbeit / Lichtdruck
Einzelpreis € 160,-
Das Titelbild mit dem visuellen Text von Heinz Gappmayr „eins 1“ von 1963 deutet bereits auf den Inhalt hin. Es zeigt die elementare Position von Gappmayr innerhalb der Konkreten Poesie und Kunst. Sein Beitrag steht stellvertretend für seine Auffassungsweise und seine Arbeiten, in seinem Textkonzentrat behandelt er das Thema „Text und Sprache“.
Mika Yoshizawa aus Tokio, Vertreterin für Japan auf der Biennale 1985 in Sao Paulo und Teilnehmerin auf der documenta 8, ist mit einer doppelseitigen Rotationsgrafik in der für sie typischen Rotkomponente vertreten und mit einem Text in Originalsprache zur zeitgenössischen Kunst.
Ekkeland Götze ist vor der Wiedervereinigung Deutschlands von Dresden nach München emigriert. Sein besonderes Druckverfahren „Siebdruck mit Erde“ gilt unter den Spezialisten als sensationell. Das Blatt in jeder Zeitschrift ist ein Unikat, die Struktur verändert sich ständig. Die Erde stammt von der berühmten Ruine der Frauenkirche in Dresden.
Mit Roman Opalka ist ein Künstler in „eins und…“ vertreten, der die Thematik dieser Zeitschrift ein Leben lang zum Arbeitsinhalt gemacht hat: 1965 begann er auf Bildern, die er „Details“ nannte, mit weisser Farbe Ziffern fortlaufend, von 1 bis unendlich zu schreiben. Zum Zeitpunkt der Zeitschriften-Herstellung war er bei 4.514.078. Die Abbildung zeigt die linke obere Fläche des Originalbildes in seiner Originalgröße. Gedruckt im Trockenoffset (ein neues, fast rasterloses Druckverfahren) sind Original und Druck nicht zu unterscheiden. Der zentrale Text über Opalkas Philosophie, sein Konzept und seine Arbeit wurde hier erstmals dreisprachig publiziert.
Mit seiner Projektzeichnung für den Architekturwettbewerb zum deutschen Pavillon der Expo’92 in Sevilla gewann der damals 31-jährige Bildhauer Albert Hien zusammen mit den Architekten Auer und Weber den 1. Preis. Die avantgardistische Planung wurde vom Oberpreisrichter gestoppt, der danach den Expo-Pavillon nach eigenen Vorstellungen bauen ließ. Dies war der größte Architekturskandal der letzten Jahre in Deutschland. Albert Hiens Zeichnung ist in Dresden im Lichtdruck-Verfahren als Faksimile reproduziert, die Ansichtszeichnungen der Architekten Auer und Weber im Strich-Halbton-getrennten Offsetdruck.
Helmut Heißenbüttel, bekannt durch seine frühen Texte zur Konkreten Poesie, schrieb für „eins und…“ ein kritisches Gedicht über die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Der Beitrag wurde im Handsatz gesetzt und im Buchdruck wiedergegeben.
Mit einer freien Arbeit, im Siebdruck produziert, stellt Karl Duschek ein Beispiel seiner seriellen Konzepte vor. Die Beziehungen der Teile zueinander stellen ein Ordnungsprinzip innerhalb der atomistischen Thesis dar. Als Professor für Philosophie in Groningen und Theoretiker der documenta 5 ist Hans Heinz Holz auch mit seiner Vorliebe für konstruktive und konkrete Kunst einem Kennerkreis bekannt. Sein Textbeitrag zu den Arbeiten von Karl Duschek beinhaltet übergeordnete, erkenntnistheoretische Ansichten.
Die Konstruktionszeichnung des Stahlblech-Stuhls „Lambda“ von 1960 war bisher unveröffentlicht. Dieses frühe Designobjekt von dem inzwischen berühmten Designer Richard Sapper wurde lediglich in einer Stückzahl von 120 Exemplaren gefertigt. Es ist heute ein Museumsobjekt.
Der holländische Künstler hermann de vries arbeitet seit Ende der 1950er Jahre im künstlerischen Kontext mit Natur und Pflanzen. Im Januar 1991 hat de vries für die Zeitschrift „eins und…“ eine Schicht toter Bergahornblätter abgehoben, gepresst und getrocknet. Die hochsensible Materie wurde in Dresden in einer Vertikal-Reprokamera 1:1 reproduziert und im Originalformat als 6-farbiger Lichtdruck gedruckt.